Am 18.Februar lud unser Präsident Dr. Carsten Vogt seinen Bruder Dr. Rainer Vogt als Gastredner ein. Dr. Vogt widmete sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit am „Research & Advanced Engineering Center Europe“ der Ford-Werke GmbH in Aachen schwerpunktmäßig der Reduktion von Schadstoffemissionen durch Fahrzeuge. Nach einem kurzen Abriss über wichtige Stationen seiner wissenschaftlichen Laufbahn schilderte Dr. Vogt in einem fesselnden Vortrag die drastischen Veränderungen, die die kommende Euro 7-Normfür die Automobilindustrie bereithält.
. Für die über 20 anwesenden Club Mitglieder wurde schnell klar: Es geht nicht mehr nur um das, was aus dem Auspuff kommt.
Zwar werden die Grenzwerte für Stickoxide weiter verschärft, doch der technologische Fokus verschiebt sich massiv. Die größte Neuerung ist die erstmalige Einbeziehung von Reifenabrieb. Der Experte erläuterte, dass Reifen eine der Hauptquellen für Mikroplastik in der Umwelt sind. Die Industrie steht hier vor einem Dilemma, denn Reifen müssen für die Sicherheit optimal auf der Straße haften, sollen sich aber gleichzeitig kaum noch abnutzen.
Besonders spannend war der Einblick in die neue Messtechnik. Da herkömmliche Fahrtests im Freien zu viele unkontrollierbare Variablen aufweisen, wurden spezielle Reifenabrieb-Prüfstände entwickelt. In diesen Anlagen rotieren Reifen gegen eine präzise beschichtete Trommel, während hochempfindliche Partikelzähler den Abrieb in Echtzeit erfassen. Diese standardisierten Laborbedingungen sind notwendig, um die strengen Euro 7-Grenzwerte überhaupt rechtssicher überprüfen zu können.
Ebenso verhält es sich mit den Bremssystemen. Ford war Pionier bei der Entwickelung fortschrittlicher Bremsenprüfstände, um die Feinstaubemissionen (Bremsstaub) zu messen und zu reduzieren. Der Fokus liegt auf der Messung von Bremsstaubpartikeln (PM10 und PM2.5) auf speziellen Prüfständen, um realistische Fahrzyklen zu simulieren.
Dr. Vogt schilderte aber auch, dass jenseits der technischen Details ein politischer Kraftakt für die Automobilindustrie zu bewältigen war. Die Verhandlungen zwischen der EU-Kommission, den Autoherstellern und der Zulieferindustrie waren von harten Kompromissen geprägt. Das Ergebnis war eine Modifikation der ursprünglichen Pläne. Die Abgasgrenzwerte für Pkw bleiben nun weitgehend auf dem Niveau von Euro 6, während der Fokus verstärkt auf Partikelemissionen von Bremsen und Reifen sowie auf die Haltbarkeit von Batterien gelegt wurde.
Der Vortrag machte deutlich, dass Euro 7 ein strategischer Wendepunkt ist, der Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus „sauberer“ machen soll. Für die Hersteller bedeutet dies trotz der politischen Zugeständnisse enormen Zeitdruck und hohe Investitionen in neue Filter- und Prüftechnologien bis zum Inkrafttreten Ende 2026.
Am Ende des Vortrages war eine Frage quasi unausweichlich: Wie steht es um Verbrenner versus E-Autos im Licht der neuen Norm - so brachte es ein Zuhörer auf den Punkt.
„Der Verbrennungsmotor stirbt nicht an der technischen Unmöglichkeit, die Euro 7-Norm einzuhalten, sondern an der wirtschaftlichen Herausforderung“, so Dr. Vogts Fazit. Da beim Verbrenner zusätzliche und teure technische Maßnahmen ergriffen werden müssen, wird die Norm den Marktdruck zugunsten der Elektromobilität weiter erhöhen. Elektroautos können die neuen Grenzwerte für Brems- und Reifenabrieb oft systembedingt (durch Rekuperation beim Bremsen) leichter oder zumindest kosteneffizienter erfüllen.